Zur ersten Orientierung

Eine erste Orientierung für Pilger auf Jakobswegen in sieben Punkten:
Diese Informationen kannst du im Downloadbereich als Merkblatt im PDF-Format herunterladen!


(1) Einführung
(2) Routen
(3) Planung
(4) An- und Abreise
(5) Ausrüstung
(6) Herbergen
(7) Weitere Informationen


(1) Einführung

Pilgern, besonders auf Jakobswegen ist seit einigen Jahren ein neuer Trend. Eine besondere Rolle bei dieser Entwicklung dürfte das Buch von Hape Kerkeling gespielt haben. Aber auch der Wunsch nach mehr Entschleunigung und Spiritualität in einer hektischen und stressigen Welt dürften für diesen „Boom“ verantwortlich zeichnen. Der Jakobsweg (v. a. in Spanien) bietet heute ein kleines Abenteuer mit gleichzeitiger guter Markierung und gut ausgebauter Infrastruktur.

(2) Routen

Der bekannteste Abschnitt des Jakobswegs und meist als der Jakobsweg bezeichnet ist der
Camino Francés (oft als Hauptweg bezeichnet) von den Pyrenäen über Pamplona, Burgos, León, durch Galicien bis zum Apostelgrab in Santiago de Compostela. Eigentlich beginnt der Jakobsweg aber vor unserer Haustür. Die mittelalterlichen Pilger starteten zuhause, pilgerten nach Santiago de Compostela und kehrten dann wieder nach Hause zurück, wenn auf der langen Reise nichts passiert war. Sehr beliebt sind heute auch die Via Podiensis ab Le Puy en Velay, der Küstenweg entlang der nordspanischen Atlantikküste, die Via de la Plata von Südspanien her oder der nach dem Hauptweg beliebteste Weg, der Portugiesische Jakobsweg (Camino Portugués). Immer beliebter werden auch die Jakobswege vor unserer Tür. Mittlerweile gibt es in Deutschland ein recht dichtes markiertes Jakobswegenetz.
Für Pilgerneulinge empfiehlt sich aufgrund der guten Infrastruktur und den umfangreichen
Informationen in Literatur, Internet und Rundfunk der Camino Francés.
Weitere Informationen: [Routen]

(3) Planung

Bei den Planungen vor einer Pilgerreise zum Grab des Apostels Jakobus gilt der Grundsatz:
Weniger ist mehr! Man sollte sich im Vorfeld der Reise auf die Planung der An- und evtl. Abreise, ungefähre Etappen- und Zeitplanung, sowie auf den Kauf und die Optimierung der Ausrüstung beschränken. Die genauere Planung der Etappen und die Wahl der Herbergen erfolgt vor Ort, sodass man die eigene Fitness, sowie die geografischen und meteorologischen Gegebenheiten in die Planungen einfließen lassen kann. Viele erfahrene Jakobspilger sagen treffend: „Auf dem Jakobsweg kommt eh meist alles anders als geplant!“
Vor der Abreise sollte man bei einer Jakobusgemeinschaft einen Pilgerausweis bestellen. Dieser dient der Dokumentation der Pilgerreise und Voraussetzung, um in den spanischen Herbergen ein Bett zu bekommen.
Zur Orientierung und groben Zeitplanung:
Saint-Jean-Pied-de-Port → Santiago de Compostela: ca. 5 Wochen
Saint-Jean-Pied-de-Port → Finisterre → Muxía: ca. 6 Wochen
Pamplona → Santiago de Compostela: ca. 4 Wochen
Logrono → Santiago de Compostela: ca. 3,5 Wochen
Burgos → Santiago de Compostela: ca. 3 Wochen
León → Santiago de Compostela: ca. 2 Wochen
Ponferrada → Santiago de Compostela: ca. 1 Woche
Sarria → Santiago de Compostela: ca. 5 Tage

Weitere Informationen: [Etappen], [Pilgerausweis]

(4) An- und Abreise

Neben der An- und Abreise mit dem Flugzeug ist bei Pilgern auch die Reise mit dem Zug recht beliebt. Die Wahl der Transportmittel wird v. a. durch eigene Vorlieben und besonders durch das Zeitbudget vorbestimmt. Eine häufige Frage ist, ob man das Rückreisedatum offen lassen soll. Natürlich ist es schade, wenn man auf der Pilgerreise unter Zeitdruck steht. Allerdings sind kurzfristige Buchungen meist recht teuer und bergen immer das Risiko, dass Flugzeug, Bus oder Bahn ausgebucht sind und man die Heimreise einige Tage verschieben muss. Ich empfehle eine feste Buchung von zuhause aus, allerdings mit einem Zeitpuffer, um unterwegs Zeitdruck vermeiden zu können.
Da die Zugverbindungen in Spanien eher schlecht und v. a. auf die größeren Städte beschränkt sind, ist auf die guten Busverbindungen (Nah- und Fernverkehr) hinzuweisen.
Weitere Informationen: [Anreise], [Heimreise]

(5) Ausrüstung

Auch bei der Ausrüstung gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr! Alles was man als Pilger dabei hat, muss auf dem Rücken mehrere Hundert Kilometer getragen werden. Auch wenn Pilger, die jedes Teil ihrer Ausrüstung auf die Waage legen, oft belächelt werden, hat dieses Vorgehen durchaus seinen Sinn. Beim Auswählen der Ausrüstungsgegenstände muss immer auf deren Gewicht geachtet werden und wenn möglich das leichtere ausgewählt werden. Besonders der Rucksack selbst, der Schlafsack, die Kleidung und der Kulturbeutel sollten leicht und zweckmäßig sein. Bei der Kleidung sollte man atmungsaktive und schnell trocknende Kunstfasermaterialien wählen. Neben einer Ausstattung am Körper reicht in der Regel eine Wechselgarnitur im Rucksack (gewaschen wird meist täglich in der Herberge von Hand oder, falls vorhanden, zusammen mit anderen Mitpilgern in der Maschine). Die Wanderschuhe (ich empfehle leichte Wanderschuhe bis über den Knöchel) sollten v. a. bequem und gut eingelaufen sein, um der Blasenbildung vorzubeugen. Wanderstöcke erleichtern das Gehen und entlasten die Gelenke (entweder man nimmt Teleskopwanderstöcke mit oder kauft sich vor Ort einen Wanderstock aus Holz).
Zelt und Campingkocher sind nicht notwendig. Eine leichte Isomatte ist vor allem im Sommer praktisch, da dann die Betten ob der großen Anzahl Pilger schon mal knapp werden können und man ggf. nur noch einen Platz auf dem Boden erhält.
Weitere Informationen: [Ausrüstung]

(6) Herbergen

Der Jakobswegpilger übernachtet normalerweise in den einfachen Herbergen am Weg, die mit einigen Ausnahmen (einige private Herbergen) nicht reserviert werden können. Dort trifft man andere Pilger und bekommt für wenig Geld ein Bett (meist Stockbett) und Waschmöglichkeiten für Körper und Wäsche. Geschlafen wird im mitgebrachten Schlafsack.
Verpflegung gibt es in diesen Herbergen meist nicht. In den Bars und Restaurants wird allerdings oft ein günstiges Pilgermenü angeboten. In manchen Herbergen gibt es auch eine Küche, in der man sich etwas kochen kann.
Eine Auflistung der Herbergen findet man in den gängigen Pilgerführern und im Internet.
Pilger, die nicht (immer) in den Massenschlafräumen der Herbergen schlafen möchten, finden vor Ort meist auch ein günstiges Zimmer in den vielen Pensionen und Hotels.
Ein Zelt ist nur auf wenig erschlossenen Pilgerwegen zu empfehlen. Auf den bekannten und
stark frequentierten Wegen gibt es ein dichtes Herbergsnetz, sodass ein Zelt überflüssig ist. Zudem ist wildes Campen in Spanien, wie auch in vielen anderen Ländern, verboten und Campingplätze gibt es bspw. entlang des Camino Francés nur sehr selten.
Weitere Informationen: [Herberge]

(7) Weitere Informationen

Zur Planung der eigenen Jakobswegreise empfiehlt sich ein Pilgerführer, der dann auch auf den Weg mitgenommen werden kann. Diese Wanderführer vermitteln einen ersten Eindruck vom Weg, helfen bei der Planung der Etappen und enthalten kleine Kartenskizzen/-ausschnitte zur besseren Orientierung. Eine extra Wanderkarte ist nicht notwendig, da der Weg sehr gut mit gelben Pfeilen markiert ist. Praktische und sehr aktuelle Tipps erhält man in den zahlreichen Pilgerforen im Internet oder bei einem Pilgerstammtisch/-treffen vor Ort. Hilfreiche Informationen bekommt man auch bei den Jakobusgemeinschaften, die auch die Pilgerausweise ausgeben. Im Internet gibt es eine Vielzahl gut gemachter Seiten zum Thema Pilgern auf Jakobswegen. Zur Einstimmung empfehle ich Pilgerberichte in Buch- oder Blogform.

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